Gertrud Ring

Bildende Künstlerin, Schriftstellerin und Pianistin

geboren in Landsberg (D) 1897 | gestorben in St. Sulpice (F) 1945

Gertrud Ring, geborene Schröder, war bereits gefeierte Pianistin als sie sich zur Buchhändlerin ausbilden ließ und die Leitung der "Sturm" - Buchhandlung in berlin übernahm.

1920 heiratete sie Thomas Ring. In Berlin gehörte sie zum Kreis der Avantgarde, die sich um den "Sturm" versammelt hatte und war eng mit Hannah Höch, Herwarth Walden und dem "Dadasophen" Raoul Hausmann befreundet. Gertrud Ring war als Autodidaktin mehrfach mit Werken in der "Großen Berliner Kunstausstellung" vertreten und hatte sich als Publizistin durch über 50 Artikel in der "Arbeiter - Illustrierten - Zeitung", der "Weg der Frau" und anderen der Linken nahestehenden Zeitschriften, in denen sie für den Sozialismus und die Emanzipation der Frau eintrat, einen namen gemacht.

1931 nahm sie an einem Journalistenkongress in Moskau teil. Sie und ihr Mann bekämpften in Bildern, Artikeln und Theaterstücken den aufkommenden Faschismus und flüchteten 1932, noch vor der Machtergreifung durch die Nationasozialisten, nach Österreich. Ab 1936 "staatenlos", schrieb Thomas Ring in Graz in der Zeit des autoritären Ständestaates Werke, die die Grundlagen der Astrologie neu definierten, während Gertrud Ring mit engagierten, modernen Bildern das Spektrum der kunstentwicklung in der Steiermark bereicherte.

In den ersten jahren nach dem "Anschluss" lebten die Rings in Graz, wo Gertrud Ring zu den kosmologischen Werken ihres Mannes Bilder in abstraktem Stil schuf. Diese und andere ihrer Zeichnungen, die im Verborgenen entstanden, gehren zu den wenigen Beispielen moderner Malweise und kulturellen Widerstandes in dieser Zeit in der Steiermark.

Ihr Mann war 1943 von der "Reichskulturkammer" mit "Mal - und Schreibverbot" belegt worden. Ihm drohte die Versetzung zu einem Strafbataillon, wovor ihn die Berufung an die "Reichsuniversität" in Strassburg bewahrte. 1944 wurde Strassburg durch die Aliierten befreit, die die Rings - trotz ihrer Verfolgung durch das NS - Regime - in ein Internierungslager verbrachten.

Gertrud Ring, krank und durch Hunger geschwächt, starb 1945 im Lager St. Sulpice in Südfrankreich. Die Bilder Gertrud Rings aus der Grazer Zeit blieben bis jetzt unbekannt und werden erstmals gezeigt.